
©Klaus
Schwerma, gender_walk /barcelona
gender_map
Die im Zuge einer Erhebung generierten Daten alltäglicher Wege und Orte
von Frauen und Männern in der Stadt werden in der gender_map als geschlechtlich
strukturierte Räume sichtbar.
Theoretischer Bezugsrahmen
Diese Strukturierung städtischer Räume ist gleichzeitig Abbild unterschiedlicher
Vergesellschaftungsbedingungen von Männern und Frauen. Die angeeigneten
physischen Räume geben Auskunft über die Stellung im sozialen Raum.
Personen, die Produktions- und Reproduktionsaufgaben wahrnehmen, müssen
deutlich mehr Wege und Orte im „Gesamt-Arbeits-Alltag“ miteinander
verknüpfen als Personen mit einem „Nur-Erwerbsarbeits-Alltag“.
Auf diese Weise manifestiert sich die soziale Struktur im städtischen Raum und reproduziert die Geschlechterdifferenz. Räume existieren nicht einfach, Räume werden konstruiert und durch die gesellschaftliche Realität der Individuen in hohem Maße beeinflusst.
Visualisierung
Die Visualisierung alltäglicher Wege und Orte von Männern und Frauen
in der Stadt Judenburg erfolgt durch ein Software Applet, das sich an Dichte-Relationen
orientiert und so Abweichungen (Bilder der Differenz) vom bestehenden Stadtplan,
ein kartografisches Abbild der geschlechtlich strukturierten Räume von
Judenburg erzeugt.
Präsentationsformen der gender_map
Bei der gender_map handelt es sich einerseits um ein Druckwerk, das im Verbund
mit visuellen Markern im Realraum eine Begehung der Stadt nach Gesichtpunkten
des sozialen Geschlechts zulässt, andererseits um eine dynamische Darstellung
im World Wide Web. In dieser Form ist die gender_map offen für neue Einträge
der StadtbewohnerInnen und fungiert als Zentrum eines für weitere Erfahrungen
und deren Austausch offenes Forum.
1. Stadtplan
Stadtpläne sind Hilfsmittel (mobile Wegweiser) zur Orientierung in einem
vermeintlich topografisch-neutralen, objektiven Umfeld, primär durch
Distanz- und Ortsangaben gekennzeichnet.
Eine gender_map ist ein mobiles Hilfsmittel, das im Verbund mit realen Wegweisern / Markern in der Stadt, eine Anschauung und Erfahrung der Stadt nach relationalen (in kulturellen Sozietäten wie Alter/ Geschlecht ausgeprägten) Gesichtpunkten zulässt.
2. Installation im öffentlichen Raum
Die Präsentation der im Vorfeld erhobenen empirischen Daten über
die Aneignung von öffentlichem Raum entlang soziostruktureller Merkmale
(Geschlecht/Alter) erfolgt in Form einer gender_map im öffentlichen Raum.
Ein überdimensionaler Stadtplan als kartografisches Abbild geschlechtlich
strukturierter Räume wird, gedruckt auf ein großformatiges Vinylnetz,
am Hauptplatz der Stadt Judenburg angebracht.
3. Dynamischer Stadtplan
Das Interface der gender_map bietet einen dynamischen, weiter wachsenden Stadtplan.
Hier können UserInnen die Projektdatenbank mit ihren eigenen Wegen und
Orten erweitern und mittels einer Filterfunktion Geschlechterräume in
der Stadt sichtbar machen.